Eine Nacht auf dem See

Letzte Woche war es endlich soweit: Nachdem wir in der Woche davor auf mehrere Dörfer fuhren, um dort die Präsentation unser Fischerlampe vorzubereiten, fuhren wir am Freitag nach Igombe, ein Fischercamp in der Nähe Mwanzas. Noch am selben Tag hatten wir endlich alle Teile zusammen, die noch fehlten und konnten die Lampe fertig bauen.

Josef und Kornelius basteln an der Lampe

Mit der frisch gebauten Lampe ging es mit Daladala und Fahrrädern ins Camp. Am Anfang war ich besorgt, wie wir die Lampe vom Busbahnhof in Igombe zum Fischercamp bekommen würden, da es keine Daladalas gab, die dorthin fuhren. Das einzige verfügbare Verkehrsmittel war eine Art Fahrradkurier, bei dem man sich einfach auf den (komfortabel gepolsterten) Sattel setzte und sich fahren ließ. Doch auch die Lampe stellte kein Problem dar; unser Fahrer band sie einfach auf seinen Sattel und so ging es schließlich ohne Probleme bis zum Camp.

unsere Lampe

Dort angekommen, stellten wir fest, dass wir viel zu früh da waren. Da wir die Lampe selbst testen wollten, waren wir bereits nachmittags angereist, der Test dauert jedoch nur 5 Minuten. Unsere „Zielgruppe“, die Fischer, kamen jedoch erst um 20 Uhr, sodass wir über zwei Stunden Zeit hatten. Das war jedoch auch ganz nett, da wir erst gemütlich Kaffee tranken und dann zum Essen (natürlich Ugali und selbstgefangener Fisch…) eingeladen wurden. Als die Fischer schließlich alle da waren, erklärten wir ihnen das Prinzip der Lampe und machten auch gleich den Helligkeitsvergleich zu den herkömmlichen Kerosinlampen. Das war für uns selbst sehr spannend, da wir die Lampe noch nie bei Dunkelheit gesehen hatten. Wie sich herausstellte, war sie sehr hell, sogar heller als die Kerosinlampen. Test 1 bestanden….

Spät abends um 10 ging es schließlich auf den See, wo wir die ganze Nacht verbringen sollten. Wir hatten bei der Vorbereitung natürlich nur an die Lampe und nicht an uns selbst gedacht, weswegen wir nicht gerade die geeigneteste Kleidung hatten, ich hatte nicht einmal einen Pulli dabei. Doch zum Glück lieh mir einer der Fischer eine Jacke, sodass auch ich für die Nacht gerüstet war.

So fuhren wir auf den See, deutlich weiter, als ich dachte. Da es dunkel war und wir irgendwann völlig von Fischerlampen umgeben waren, verlor ich total die Orientierung und hatte keine Ahnung mehr, in welche Richtung die Küste lag. So war ich doch froh, die Schwimmweste zu haben, die ich gezwungen wurde anzuziehen, da ich ein „Gast“ war. Die Fischer brauchten natürlich keine…

Und schon ging es los: Wir zündeten Lampe für Lampe an (wir hatten insgesamt 6 Kerosinlampen und unsere Solarlampe) und setzten sie aufs Wasser, als allerletztes war unsere Lampe dran… Wieder ein kurzer Moment der Spannung, würde die Lampe schwimmen? Bei der ganzen Testerei hatten wir nämlich tatsächlich nicht drangedacht, auch zu testen, ob die Lampe genug Auftrieb hat oder ob sie einfach untergehen würde. Wie kann man auch sowas vergessen?? Doch auch hier hatten wir Glück, die Lampe schwamm einwandfrei. Test 2 bestanden.

Als wir dann alle Lampen ausgesetzt hatten, wurde es plötzlich still um uns. Ich dachte mir, was ist jetzt los und als ich mich umschaute wurde mir klar: Die Fischer schliefen. Pause also. Wegen der ganzen Aufregung konnte und wollte ich jedoch nicht schlafen, auch wusste ich nicht, wie das auf einem Boot gehen soll, in dem man kaum stehen kann, weil der Boden so klitschig ist und in dem 10cm Wasser stehen. Die Fischer schliefen hinten beim Motor auf den Netzen, dort war jedoch kein Platz mehr für uns. Was aber auch nicht so schlimm war, schließlich wäre ich vermutlich nach 10 Minuten sowieso im Wasser gelandet, ich neige schließlich zu intensivem Nachtsport, wie mein verbrannter Schlafsack zu berichten weiß… So saß ich auf meinem Plätzchen und schaute mir die hunderten Lampen auf dem See an, dessen Lichtpunkte immer wieder wie auf magische Weise verschwanden, um dann kurz darauf aufzutauchen, als ob sie sich entschieden hätten „Nein, ich bleibe wach!“ Ähnlich ging es mir, ich nickte immer wieder ein um dann wieder aufzuschrecken „Nein, ich bleibe wach!“

Zwei Stunden später dann meine Erlösung: Wir fingen an, die Netze auszuwerfen und die Fische zu fangen. Vielleicht sollte ich kurz die Technik des Dagaa-Fischens erklären: Die Fische werden durch die auf dem See schwimmenden Lampen angezogen und sammeln sich unterhalb der Lampe. Nach ca. 2 Stunden wird ein großes Netz ausgeworfen, dass unter der Lampe durchgezogen und danach wieder herausgezogen wird. Und schon hat man tausende kleine Fische gefangen, die dann einfach ins Boot geschüttet werden. Eigentlich ein sehr einfaches Prinzip, trotzdem ist es sehr anstrengende Arbeit, da die Netze von Hand herausgezogen werden, und diese durch Wasser und Fisch sehr schwer sind.

So machten wir unsere Runde und fuhren von Lampe zu Lampe, das Boot füllte sich so langsam mit vielen vielen Fischen, die nicht aufhörten zu zappeln. Schließlich war auch unsere Lampe dran, und wiederum fragten wir uns, ob sich die Erwartungen erfüllen würden. Doch schon als wir näher kamen, wurde klar, die Lampe funktioniert, überall in der Nähe der Lampe sprangen kleine Fische aus dem Wasser, als ob sie sich freuen würden, nicht mehr von auslaufendem Kerosin genervt zu werden… Die Fischer waren total begeistert, sie meinten die Lampe wäre viel besser als ihre Lampen. Test 3: bestanden.

Und das war auch der weitere Rhythmus der Nacht: Lampen auswerfen, Pause, Netze auswerfen, Fische ins Boot laden. Das ganze machten wir dreimal, bis am Horizont schon die Sonne aufging. Dies war das Ende des Arbeitstages oder vielmehr der Arbeitsnacht. Neben mir zappelten gut 2000 Liter Fisch, als ob sie ihr Schicksal nicht akzeptieren wollten und versuchten zu fliehen. Mit dem Gedanken beschäftigte ich mich dann auf der Rückfahrt, bis ich mir am Ende sagte, dass das nur ein Reflex sei und die Fische gar nichts denken… Evolution live. Gebracht hats aber wenig.

Auf dem Rückweg dann noch ein weiteres Highlight: Ein toter Nilbarsch, auch Viktoriaseebarsch genannt. Im Gegensatz zu meinen kleinen Freunden war dieser wohl fast ein Meter lang und dementsprechend viel Wert, obwohl er schon tot war. Das war den Fischern natürlich egal, die ihn gleich einpackten und stolz präsentierten, als wir zurück im Camp waren.

War ich auf dem Hinweg noch vorsichtig gewesen und hatte meine Hose ausgezogen, um aufs Boot zu kommen, war mir das nun egal: Ich sprang einfach ins hüfthohe Wasser und stiefelte an den Strand zurück, schließlich war ich sowieso total durchnässt.

Wieviele Billharziose-Würmer die Gelegenheit wohl nutzten und sich in meinen Beinen ein neues zu Hause einrichteten?

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2 Antworten zu Eine Nacht auf dem See

  1. Marlene schreibt:

    FROHE WEIHNACHTEN, TILL! Hoffe du hast ein bisschen Weihnachtsstimmung, und eben ansonsten einen tollen Tag, und fühl ganz doll an dich gedacht (das müsstest du eigentlich spüren, ohne das hier zu lesen)!

  2. Newton P. Mathis schreibt:

    So wie dem 42-Jährigen ging es auch den Kollegen. Sie alle sollten über Nacht nur noch um die 1,27 Euro pro Kilo bekommen, angekündigt wurde sogar ein weiterer Preisverfall auf einen Euro. Im September waren es noch drei Euro. Einmal mehr wurde den Fischern demonstriert, wer das Sagen hat im Krabben-Oligopol. Rund 200 Krabbenfischer gibt es an der deutschen Nordseeküste.

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