Die Rückfahrt: Kasanga – Kigoma

Unsere zweite Etappe war wieder die Rückreise nach Kigoma, diesmal jedoch nicht mit dem Schiff.

Eigentlich hatten wir vor, zu den Kalambo Falls zu fahren, sehr schöne Wasserfälle direkt an der Grenze Tanzania-Zambia. Leider hat das aber nicht geklappt, da diese nur von Zambia zu erreichen sind, wir aber uns kein Visum kaufen wollten.

Leider fuhren wir dann ohne an den Wasserfällen vorbei zu schauen zurück. Laut den Reiseführern, die uns zur Verfügung stehen, gibt es keine Busse von Kasanga nach Kigoma, doch wir versuchten trotzdem unser Glück. Wo eine Straße ist, da ist auch ein Weg. Der erste Teil der Strecke führte uns nach Sumbawanga. Dort hatten ein sehr merkwürdiges Hotel – ein Kongresszentrum, das von Dänen vor 30 Jahren gebaut wurde – dumm nur, dass es in Sumbawanga keine Kongresse und sonst auch nur sehr wenig gibt. So waren wir zusammen mit dem australischen Pärchen sowie zwei deutschen Frauen, die wir schon auf dem Schiff getroffen hatten, die einzigen Gäste in diesem Hotel, dass sicherlich 100 Zimmer hatte. Es hat mich sehr an eine deutsche Jugendherberge erinnert – lange Flure, kalter Stein, robust aber trotzdem nicht hässlich. Und: WARME Duschen!!!! Meine erste warme Dusche seid meinem Abflug aus Deutschland! Ich war glücklich.

Am nächsten Tag ging es weiter nach Mpanda – mitten durch den Kitavi Nationalpark. Wir bekamen erstaunlich viele Tiere zu sehen – Elefanten, Zebras, Giraffen und Antilopen – und bekamen schon einen kleinen Vorgeschmack auf die Serengeti. Da in der Gegend die Tsetsefliege ihr Unwesen treibt, leben nur sehr wenige Menschen dort, doch den Tieren scheint sie nichts anzuhaben.

Von Mpanda aus ging der schwierigste Streckenteil bis nach Kigoma. Umso mehr freuten wir uns, als wir schon beim Aussteigen von einem Agenten einer Busgesellschaft empfangen wurde, der uns ein Ticket für den nächsten Tag verkaufen wollte. Ich war aber fast enttäuscht, dass dies so langweilig einfach gelingt – doch ich sollte mich täuschen.

Unsere Herberge in Mpanda war eher unangenehmer Art – wir übernachteten in einem Guesthouse, wo die Zimmer direkt neben der Bar lagen. Da der Bus bereits morgens um 5 fahren sollte und die Bar um 2 zumachte, blieb uns nicht allzuviel Zeit wirklicher Ruhe. Das schlimme war, dass der Lärm absolut unnötig war: Es waren praktisch keine Gäste da und es wäre auch relativ ruhig gewesen, wenn der Fernseher nicht versucht hätte, die Musikanlage zu übertönen – und umgekehrt. So aber mussten wir bei Fernsehlärm und Musikgedröhne Schlaf finden. Nicht zu empfehlen!

So schleppten wir uns also morgens um 5 zum Busbahnhof. Doch dieser war vollkommen leer und dunkel – als wir schließlich jemanden fanden, hieß es, Sonntags würden gar keine Busse fahren, sondern erst am nächsten Tag. Als ich dem Mann unsere Bustickets zeigte, viel uns auf, der Bus sollte auch nicht am Montag, sondern erst am Dienstag fahren – ich fühlte mich betrogen.

Miesgelaunt liefen wir zurück in die Stadt und suchten uns ein neues Gasthaus. Doch das Glück sollte uns helfen: Als wir vor dem Haus saßen und warteten, dass sie aufmachen würden, erfuhren wir, dass es zwar keine Busse gibt – dafür aber jede Menge Pickups und LKWs, die sich über Mitfahrer (und ihr Geld) freuen würden!

Wir fanden auch schnell einen LKW, der uns bis nach Kigoma mitnehmen wollte. So fuhren wir gut gelaunt los. So eine Fahrt mit dem LKW war doch sowieso viel spannender! Als wir ca. 4 Stunden später schließlich eine kleine Stadt erreichten, dachte ich, wir wären bereits in Uvinza und fast in Kigoma angekommen. Doch weit gefehlt, wir waren in Nkondwe, hatten von den 260 Kilometer gerade mal 60 Kilometer geschafft – wäre ich doch mit dem Bus gefahren.

Dabei hatten wir noch Glück – mit den beiden Plätzen in der Fahrerkabine hatten wir noch Logenplätze – auf der Ladefläche des LKWs fuhren aber weitere fünf Fahrgäste mit. Diese standen den ganzen Tag in der Sonne und versuchten, nicht um- und runterzufallen. Schatten oder gar einen Sitzplatz gab es für sie nicht. Ich frage mich immer noch, wie die das ausgehalten haben.

So oder so ist es keine gute Idee, mit einem LKW mit zweitem Anhänger mitzufahren, wenn die Strecke ein 260 Kilometer langer Feldweg durch ein Gebirge ist. Dennoch genossen wir es auch, man fährt schließlich nicht alle Tage mit einem LKW durch einen Urwald, in dem es mehr Affen als Menschen gibt.

Trotzdem waren wir glücklich, als wir mitten in der Nacht Uvinza erreichten – weiter nach Kigoma ging es leider nicht mehr, da wir in eine Polizeikontrolle gerieten, die uns das Weiterfahren verbot. Doch am nächsten Morgen brachte uns ein Daladala in rekordverdächtigen 2 Stunden nach Kigoma – für eine Strecke von 90 Kilometern. Ich hatte das Gefühl, noch nie so schnell gefahren zu sein.

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2 Antworten zu Die Rückfahrt: Kasanga – Kigoma

  1. Timo schreibt:

    Hallo Till –

    ich habe gerade per Zufall Deinen Blog und v.a. Deinen Bericht zur Fahrt mit der MV Liemba im Internet entdeckt – sehr interessant! Ich lebe in Ruanda und plane in ein paar Wochen ebenfalls eine längere Reise in Tansania, und wollte fragen, ob Du zufällig Informationen hast, ob die Liemba oder ein anderes Boot von Kigoma zufällig auch nach Norden nach Bujumbura fährt? Unsere Idee war es nämlich, von Dar aus mit dem Zug bzw. teilweise mit dem Bus nach Kigoma zu fahren, und dann von dort weiter per Boot nach Bujumbura, dann mit dem Bus zurück nach Kigali. Ich wäre Dir für jegliche Informationen SEHR dankbar!!

    Vielen Dank im Voraus, und viele Grüße nach Deutschland,
    Timo

    Email: districtdistraction@gmail.com

    • Till Hofmann schreibt:

      Die MV Liemba fhrt nicht weiter Richtung Norden, Kigoma ist die Endstation. Es fahren allerdings viele kleine Boote (sog. Lake-Taxis) tglich bis nach Burundi, ob die bis Bujumbura fahren, wei ich nicht. Aber ich nehme mal schon an…

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