Serengeti

Mit etwas Verspätung auch der Reisebericht zur Serengeti: Zusammen mit meiner Mutter, meinem Opa, Mara, Winfried und Laura fuhr ich in die Serengeti und es war wirklich sehr beeindruckend. Ich hatte erwartet, dass es nur so von Touristen wimmelt und um jedes Tier tausende Autos stehen – doch es war anders rum, wir waren oft allein und manchmal von tausenden Zebras umgeben. Es hat sich gelohnt!

Doch ich will gar nicht viel erzählen, schaut euch einfach die Bilder an!

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Die Rückfahrt: Kasanga – Kigoma

Unsere zweite Etappe war wieder die Rückreise nach Kigoma, diesmal jedoch nicht mit dem Schiff.

Eigentlich hatten wir vor, zu den Kalambo Falls zu fahren, sehr schöne Wasserfälle direkt an der Grenze Tanzania-Zambia. Leider hat das aber nicht geklappt, da diese nur von Zambia zu erreichen sind, wir aber uns kein Visum kaufen wollten.

Leider fuhren wir dann ohne an den Wasserfällen vorbei zu schauen zurück. Laut den Reiseführern, die uns zur Verfügung stehen, gibt es keine Busse von Kasanga nach Kigoma, doch wir versuchten trotzdem unser Glück. Wo eine Straße ist, da ist auch ein Weg. Der erste Teil der Strecke führte uns nach Sumbawanga. Dort hatten ein sehr merkwürdiges Hotel – ein Kongresszentrum, das von Dänen vor 30 Jahren gebaut wurde – dumm nur, dass es in Sumbawanga keine Kongresse und sonst auch nur sehr wenig gibt. So waren wir zusammen mit dem australischen Pärchen sowie zwei deutschen Frauen, die wir schon auf dem Schiff getroffen hatten, die einzigen Gäste in diesem Hotel, dass sicherlich 100 Zimmer hatte. Es hat mich sehr an eine deutsche Jugendherberge erinnert – lange Flure, kalter Stein, robust aber trotzdem nicht hässlich. Und: WARME Duschen!!!! Meine erste warme Dusche seid meinem Abflug aus Deutschland! Ich war glücklich.

Am nächsten Tag ging es weiter nach Mpanda – mitten durch den Kitavi Nationalpark. Wir bekamen erstaunlich viele Tiere zu sehen – Elefanten, Zebras, Giraffen und Antilopen – und bekamen schon einen kleinen Vorgeschmack auf die Serengeti. Da in der Gegend die Tsetsefliege ihr Unwesen treibt, leben nur sehr wenige Menschen dort, doch den Tieren scheint sie nichts anzuhaben.

Von Mpanda aus ging der schwierigste Streckenteil bis nach Kigoma. Umso mehr freuten wir uns, als wir schon beim Aussteigen von einem Agenten einer Busgesellschaft empfangen wurde, der uns ein Ticket für den nächsten Tag verkaufen wollte. Ich war aber fast enttäuscht, dass dies so langweilig einfach gelingt – doch ich sollte mich täuschen.

Unsere Herberge in Mpanda war eher unangenehmer Art – wir übernachteten in einem Guesthouse, wo die Zimmer direkt neben der Bar lagen. Da der Bus bereits morgens um 5 fahren sollte und die Bar um 2 zumachte, blieb uns nicht allzuviel Zeit wirklicher Ruhe. Das schlimme war, dass der Lärm absolut unnötig war: Es waren praktisch keine Gäste da und es wäre auch relativ ruhig gewesen, wenn der Fernseher nicht versucht hätte, die Musikanlage zu übertönen – und umgekehrt. So aber mussten wir bei Fernsehlärm und Musikgedröhne Schlaf finden. Nicht zu empfehlen!

So schleppten wir uns also morgens um 5 zum Busbahnhof. Doch dieser war vollkommen leer und dunkel – als wir schließlich jemanden fanden, hieß es, Sonntags würden gar keine Busse fahren, sondern erst am nächsten Tag. Als ich dem Mann unsere Bustickets zeigte, viel uns auf, der Bus sollte auch nicht am Montag, sondern erst am Dienstag fahren – ich fühlte mich betrogen.

Miesgelaunt liefen wir zurück in die Stadt und suchten uns ein neues Gasthaus. Doch das Glück sollte uns helfen: Als wir vor dem Haus saßen und warteten, dass sie aufmachen würden, erfuhren wir, dass es zwar keine Busse gibt – dafür aber jede Menge Pickups und LKWs, die sich über Mitfahrer (und ihr Geld) freuen würden!

Wir fanden auch schnell einen LKW, der uns bis nach Kigoma mitnehmen wollte. So fuhren wir gut gelaunt los. So eine Fahrt mit dem LKW war doch sowieso viel spannender! Als wir ca. 4 Stunden später schließlich eine kleine Stadt erreichten, dachte ich, wir wären bereits in Uvinza und fast in Kigoma angekommen. Doch weit gefehlt, wir waren in Nkondwe, hatten von den 260 Kilometer gerade mal 60 Kilometer geschafft – wäre ich doch mit dem Bus gefahren.

Dabei hatten wir noch Glück – mit den beiden Plätzen in der Fahrerkabine hatten wir noch Logenplätze – auf der Ladefläche des LKWs fuhren aber weitere fünf Fahrgäste mit. Diese standen den ganzen Tag in der Sonne und versuchten, nicht um- und runterzufallen. Schatten oder gar einen Sitzplatz gab es für sie nicht. Ich frage mich immer noch, wie die das ausgehalten haben.

So oder so ist es keine gute Idee, mit einem LKW mit zweitem Anhänger mitzufahren, wenn die Strecke ein 260 Kilometer langer Feldweg durch ein Gebirge ist. Dennoch genossen wir es auch, man fährt schließlich nicht alle Tage mit einem LKW durch einen Urwald, in dem es mehr Affen als Menschen gibt.

Trotzdem waren wir glücklich, als wir mitten in der Nacht Uvinza erreichten – weiter nach Kigoma ging es leider nicht mehr, da wir in eine Polizeikontrolle gerieten, die uns das Weiterfahren verbot. Doch am nächsten Morgen brachte uns ein Daladala in rekordverdächtigen 2 Stunden nach Kigoma – für eine Strecke von 90 Kilometern. Ich hatte das Gefühl, noch nie so schnell gefahren zu sein.

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Culture Clash – so sollte es nicht sein

Während unserer Fahrt auf der M.V. Liemba sind wir Zeugen eines eher unschönen Vorfalls geworden.

Alles begann während einer der nächtlichen Anlege- und Umladeaktionen: Ein (typischer) 1-Klasse-Gast, ein Mann aus Malaysia, machte mit seiner Kamera Photos. Da es dunkel war, photographierte er mit Blitz und verhielt sich leider nicht sehr toll dabei. Er machte Photos, ohne irgendwie den Gegenüber zu respektieren, den er gerade photographierte. So kam, was kommen musste: Er photographierte vom Oberdeck herunter einen Mann, der gerade mit seinem Floß direkt am Schiff lag und genau in diesem Moment nach oben schaute. Er wurde durch den Blitz so geblendet, dass er sich total erschrak, und regte sich dementsprechend auf. Der Photograph fand das ganze eher lustig und verstand überhaupt nicht, über was sich der Photographierte so aufregt.

Bis dahin war es nur ärgerlich, doch jetzt wurde es wirklich kritisch: Der Photographierte beruhigte sich nicht, sondern kletterte stattdessen auf das Deck und suchte den Photographen. Da er jedoch nicht genau erkannt hatte, von wem er photographiert wurde, hielt er fälschlicherweise einen anderen Gast für den Täter und stellte diesen zur Rede. Dieser konnte zum Glück das Missverständnis klären und den Mann beruhigen, er hatte auch deutlich mehr Verständnis als der eigentliche Täter.

Wie viel Glück das wirklich war, erfuhren wir später bei einem Gespräch mit dem Photographen: Er erzählte uns, er hätte total Angst gehabt, und überlegt was er tun solle; sich verstecken oder sich stellen, wobei das für gleichbedeutend mit einem Kampf gewesen wäre. Auf die Idee, mit ihm zu reden und sich zu entschuldigen, ist er offenbar nicht gekommen. Was mich dann aber wirklich erschreckte: Er meinte, normalerweise hätte er sich auf einen normalen Kampf ohne Waffen eingelassen, da er aber einen kaputten Ellbogen hatte, wäre dies nicht möglich gewesen. Deswegen trug er ein Messer mit sich….. Hätte der Mann ihn gefunden, so wäre dies wohl gar in einer Messerstecherei geendet! Das nenne ich kulturellen Austausch und gegenseitiges Verständnis!! Mir wurde richtig schlecht… Als er dann auch noch meinte, er wäre kampftechnisch ausgebildet und er hätte es diesem Mann schon gezeigt; selbst mit einer 3-Zentimeter-Klinge könnte man den Gegenüber problemlos töten, da dachte ich nur: Was willst du eigentlich?? Ich frage mich immer noch, ob er wirklich so auf ihn losgegangen wäre, wenn es zu einem Zusammentreffen gekommen wäre.

Auch sonst hatte er keinerlei Versändnis für Tanzania: Er meinte, die Menschen wären alle unterentwickelt und bräuchten starke Weiße, die ihnen zeigten, wie es funktioniert. Nur so hätte das Land eine Chance, Wohlstand zu erreichen. Als ich ihn fragte, ob er nicht sehe, dass die Menschen auch so glücklich sind und vielleicht gar nicht unsere Art des Lebens bräuchten, meinte er: Alle müssen ein Leben haben wie wir, und jeder, der das nicht einsieht, sei dumm.

An diesem Abend ging ich früh ins Bett…

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Lake Tanganyika – M.V. Liemba

Im vergangenen Monat war ich im Urlaub mit mehreren sehr verschiedenen Etappen – und von diesen möchte ich in den nächsten Tagen erzählen!

Zunächst bekam ich Besuch aus Deutschland von Laura, einer alten Freundin von mir. Nachdem ich ein paar Tage lang Mwanza gezeigt hatte, wollten wir mit der M.V. Liemba, dem angeblich ältesten Passagierschiff der Welt, den Lake Tanganyika herunterfahren. Der Tanganyika liegt ganz im Westen Tanzanias, an der Grenze zum Kongo. Bei unserer Planung hatten wir nur ein Problem: Unsere ursprüngliche Idee war, mit der M.V. Liemba bis an die Südspitze zu fahren, dort zwei Tage zu bleiben und dann mit dem Schiff zurück. Doch wie sich herausstellte, sollte die M.V. Liemba noch am gleichen Tag zurückfahren, eine Rückfahrt mit ihr war also ausgeschlossen. Laut dem Reiseführer gab es aber auch keine anderen Möglichkeiten, wieder in den Norden zu kommen – doch wir dachten uns, was solls, wir werden schon einen Weg finden…

So machten wir uns schließlich mit dem Bus nach Kigoma auf, von wo die M.V. Liemba starten sollte. Leider ist die Strecke Mwanza-Kigoma sehr schlecht ausgebaut, nur ein sehr kleiner Teil ist geteert. Dann erwischten wir auch noch einen Bus, dessen Fensterscheiben locker waren und wackelten wie verrückt. So war ich nach der elfstündigen Fahrt auf einem Ohr komplett taub und alle dachten, ich würde kein Kiswahili können – dabei hörte ich sie einfach nichts.

So ging es also auf die M.V. Liemba, die noch während der deutschen Kolonialzeit nach Tanzania kam und damals „Graph von Götzen“ hieß. Die M.V. Liemba fährt alle zwei Wochen den gesamten See herunter und wieder herauf, sie startet in Kigoma und fährt bis Mpulungu in Zambia.

Das besondere an dem See ist, dass viele Dörfer entlang des Sees völlig von der Außenwelt abgeschnitten sind – ein Gebirgslauf am Rande des Sees verhindert den Bau von Straßen ins Hinterland. So ist die M.V. Liemba für diese Dörfer der einzige Kontakt nach außen. Dies merkt man auch sofort, wenn man das Schiff besteigt, überall werden Waren zwischengelagert: Ananas, Bananen, Matratzen, Klamotten, und was man sonst so zum Leben braucht.

Die zweite Besonderheit ist, dass es keine Häfen gibt. Stattdessen hält das Schiff in der Nähe des Ufers an (was sie insgesamt 19 Mal tut), bevor das Schiff von vielen kleinen und auch man größeren Booten umschart wird, die Passagiere ein- und aussteigen und Ladung ausgetauscht wird.

Das ganze ist ein richtiges Spektakel und besonders nachts hat es auch etwas unheimliches, wenn aus dem nichts auf einmal 20 kleine Boote auftauchen. Ganz besonders war unser erster Stopp: Ein mit Holz beladener Kahn war anscheinend überladen und fing plötzlich an zu sinken. Doch anstatt sich selbst zu retten, versuchte die Besatzung die Ladung vom Kahn zu bekommen, schließlich waren es die gesamten Einnahmen der letzten zwei Wochen. So saß ein Mann verzweifelt auf dem immer weiter sinkenden Kahn und bandt das Holz los, während sein Kollege im See herumschwamm und das losgebundene Holz wieder einsammelte.


Es sah sehr tragisch aus, wie der auf dem Kahn Verbliebene immer weiter hinabsank, bis er schließlich alles Holz freigebunden hatte. Doch das ganze nahm ein gutes Ende: Sie schafften es nicht nur, das Holz wieder zu sammeln, sondern konnten auch den Kahn mit einer sehr klugen Methode retten: Sie schaukelten ihn einfach hin und her, sodass das Wasser wieder aus dem Kahn schwappte. Als dieser dann nicht mehr drohte, komplett unterzugehen, schöpften sie das restliche Wasser heraus – so konnten sie am Ende sogar damit wieder Heim fahren.

Ein Spektakel anderer Art spielte sich auf der anderen Seite des Schiffes ab. Dort hatte ein großes Boot, gut halb so groß wie die M.V. Liemba selbst, angelegt und wurde voll geladen. Leider hatte einer der Matrosen wohl etwas zu viel Konyagi getrunken, weswegen er plötzlich ins Wasser viel – von der gut 5 Meter hohen Kante des Bootes. Da es auch noch dunkel war, musste er erstmal gesucht werden, doch irgendwie schafften sie es doch, ihn aus dem Wasser zu ziehen – nur dass er sie erneut herunterstürzen kann. Doch diesmal reagierte einer seiner Kollegen schnell genug und hielt ihn noch am Gürtel fest.

Solche und viele andere Geschichten passierten während der Fahrt der M.V. Liemba. Erstaunlich war, wieviele Leute sich auf dem Schiff befanden, hatte man einen Sitzplatz auf einem der Dagaa-Säcke, so konnte man sich glücklich schätzen. Andere verharrten 24 Stunden lang, ohne sich wirklich zu bewegen – für uns unvorstellbar. Da war ich doch froh über mein 1.-Klasse-Ticket, auch wenn mich diese Trennung irgendwie bedrückt hat. Die 1. Klasse war praktisch ausschließlich von Wazungu – also den Weißen – belegt, die mit ihren Kameras in Wert von tausenden Euros das Spektakel aus bester Position beobachten konnten, dennoch aber genügend Abstand hatten, um keiner Unannehmlichkeit ausgesetzt zu sein – mich hat das angeekelt. Als ich dann aber feststellte, das die Luxuskabine (4x Preis der 1. Klasse) von einem tanzanischen Ehepaar belegt war, war mein Gemüt wieder beruhigt – zumindest teilweise.

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Und so fuhren wir zwei Tage mit der M.V. Liemba, die sich während der Fahrt ganz schön veränderte. Die Berge von Ananas und Bananen wurden allmählich durch Säcke von Dagaa ersetzt, die in den Kongo und nach Zambia exportiert wurden. Die Menschenmenge wurde auch immer kleiner, bis am Ende der Fahrt praktisch niemand mehr auf dem Schiff war – jetzt hatten wir wirklich das Gefühl, am Ende der Welt zu sein. Und so erreichten wir zwei Tage nach Abfahrt das kleine Dorf Kasanga – von wo der zweite Teil unserer Reise startete…

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Steinigungen – wenn der Rechtsstaat nicht funktioniert

Polizei – die Grundlage eines jeden Rechtsstaates. Und bisher hatte ich den Eindruck, dass dies hier recht gut funktioniert: So kontrolliert die Verkehrspolizei in Mwanza jeden Tag unermüdlich kaputte Autos, überladene Daladalas und zu schnell fahrende Motorräder. Auch ist sie durchaus hilfsbereit – so wurden wir einmal auf der Fahrt nach Dar es Salaam aus einem Bus herausgeschmissen, weil dieser kaputt war. Ein Polizist, den wir um Hilfe baten, organisierte uns kurzerhand Plätze in einem anderen Bus – und das für 12 Leute.

Doch scheint bei der Polizei nicht immer alles zu stimmen, so höre ich oft von Korruption, auf Zanzibar wurden wir selbst nach Geld gefragt, als der Polizist bemängelte, unser Auto wäre überladen, und insbesondere, was Verbrechen betrifft, scheint kein Verlass auf die Polizei zu sein – als ich einem Freund erzählte, dass man bei uns die Polizei ruft, wenn etwas passiert, reagierte er ganz verblüfft.

Und nur so lässt sich das schreckliche Ereigniss verstehen, dass wir letzte Woche miterleben mussten. Es war nachmittags kurz vor 16 Uhr – wir wollten, bevor wir nach Hause aufbrechen, noch ein paar Kleinigkeiten in einem Supermarkt besorgen. Auf dem Weg dorthin gab es plötzlich einen Menschenauflauf, wir wussten, es musste etwas passiert sein. Bloß was? Alex, der mit uns lief, klärte uns auf: Mwizi! Ein Dieb! Und tatsächlich, inmitten der Menschenmasse lag der mutmaßliche Dieb – blutüberströmt und ohnmächtig. Uns wurde erklärt: Er hatte ein Handy geklaut und nun seine Strafe bekommen. Ich hatte keine Lust, mir das weiter anzusehen und ging weiter zum Supermarkt.

Auf dem Rückweg sah ich einen blutverschmierten, handballgroßen Stein auf der Straße liegen, dann kam mir ein Mann mit einem noch größeren, noch „frischem“ Stein entgegen – und erst jetzt wurde mir wirklich klar, was passiert war. Anscheinend hatte dieser Mann ein Handy geklaut, wurde erwischt, ist abgehauen, wurde aber dann von der Menschenmasse gefangen und mitten auf der Straße gesteinigt. Mir wurde schlecht… Ich hatte schon mehrmals von Steinigungen gehört, dachte aber immer, das gäbe es höchstens in der hinterletzten Provinz, aber doch nicht in einer Großstadt wie Mwanza! Ich hatte mich wohl getäuscht.

Und in noch etwas hatte ich mich getäuscht: Ich dachte, der Mann wäre bereits tot. So erschrak ich mich ungeheurlich, als er wenig später plötzlich vor mir auftauchte (wir waren zum Schockverdauen zum Kaffeetrinken gegangen) und nach Wasser fragte. Ich war völlig perplex, wusste nicht wie ich reagieren sollte, doch wurde zum Glück schnell erlöst, als der Mann weiterging. Ich überlegte mir, was ich tun sollte, und sprach mit einem Mann, der mit mir auf der Kaffeebank saß. Dieser war genauso angewidert und verurteilte das ganze sehr, sah jedoch keine Chance mehr für den Dieb. Denn selbst wenn ihn die Menschen in Ruhe lassen würden, hätte er wohl kaum Chancen zu überleben: schwer verletzt, ohne jegliches Geld und vermutlich auch ohne Verwandte oder Freunde, die sich um ihn kümmern würden… Doch der Gedanke, dass der Tod für ihn jetzt wohl das beste wäre, widerte mich an und ich lehnte ihn ab. Helfen konnte ich ihm dennoch nicht…

Den restlichen Tag war ich gedanklich bei dem Dieb: Warum geschieht so etwas? Warum wird ein Mann, der ein Handy klaut, mit so einem brutalen Tod bestraft? Und warum gibt es dann überhaupt noch Diebe, wenn die Bestrafung doch so drastisch ist? Und so langsam glaube ich, habe ich die Zusammenhänge verstanden, die ich versuche, hier wieder zu geben:

Wie bereits gesagt, scheint auf die Polizei wenig Verlass zu sein, insbesondere wenn es um Straftaten geht. Ob das wirklich so stimmt, kann ich aus eigener Erfahrung nicht sagen, mir wurde jedoch viel erzählt und auch dieses Ereignis bestätigt die Vermutung. Da die Leute also keine Hilfe von Seiten der Polizei erwarten, helfen sie sich wohl selbst: So entsteht diese Selbstjustiz, die Menschen tötet, die ein Handy klauen. Und dies zeigt mir, wie gut wir es doch haben und wie wichtig die Polizei ist – viele Leute in Deutschland stören sich nur an der Polizei, regen sich über sie auf („Ich hab schon wieder einen Strafzettel!“) oder sehen sie fast als Feinde an – doch ohne sie gäbe es eben nicht eine Welt, in der wir machen und lassen können, was wir wollen, im Gegenteil, die Strafen wären weitaus drastischer. Vielleicht sollte sich das ein selbsternannter „Anarchist“ aus Deutschland mal durch den Kopf gehen lassen…

So stellte sich aber die andere Frage: Warum so etwas tun, wenn doch das Leben auf dem Spiel steht? Warum wird geklaut? Doch als mir unsere Chefin am nächsten Tag erklärte, dass sie nur Alten und Behinderten Geld geben dürfe, weil andere irgendwo angestellt wären und die Arbeit schwänzen, um betteln zu gehen, wurde mir klar: Dieser Mann hatte schlicht keine Alternative und hätte er die Wahl gehabt, hätte er sich wohl für etwas anderes entschieden. Einen Job hatte er wohl nicht, Unterstützung von Armen in irgendeiner Form gibt es auch nicht, und selbst betteln darf man nur, wenn man alt und zerbrechlich ist oder eine Behinderung hat. Hat man dann auch keine Familie, die einen unterstützt, so hat man wirklich nur die Wahl zwischen Klauen und Verhungern – und diese Erkenntnis war für mich die wirklich schockierende.

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Weihnachten in Mafinga

Weihnachten ist nun schon eine Weile her – dennoch möchte ich ein bisschen davon berichten. Es ist schon fast Tradition der DTP, dass alle Freiwilligen Weihnachten und Silvester zusammen verbringen, bevor sie zum Zwischenseminar nach Bagamoyo fahren. So war es auch dieses Jahr. So fanden wir uns in Mafinga zusammen, um gemeinsam Weihnachten zu feiern – ganz auf deutsche Art, mit Bescherung, Weihnachtsessen und sogar einem Weihnachtsbaum. Zu Gast waren wir bei Raphael und Basti, die in Mafinga an einer Schule im Renewable Energy Department arbeiten und dort vor allem Windräder bauen. Da sie dort ein eigenes Haus haben, war genug Platz für alle, außerdem ist es in Mafinga dank der hohen Lage deutlich kälter als im restlichen Tanzania – ideal also, um ein wenig Weihnachtsstimmung aufkommen zu lassen.

Da auch der Tannenbaum nicht fehlen durfte, machten wir uns gleich am ersten Tag auf den Weg einen geeigneten Baum zu suchen – was schwerer war, als erwartet. Zwar ist das Gelände von Wald umgeben, einen „typischen“ Weihnachtsbaum war aber äußerst schwierig… schließlich waren wir aber doch auch dank der Hilfe der Nachbarn erfolgreich – und auch das Problem des Baumständers lösten wir mit tanzanischer Improvisationskunst mit Hilfe eines Bierkastens – Bier als Multifunktionswaffe!

So saßen wir gemütlich bei Kaminfeuer zusammen und feierten Weihnachten, was mich doch etwas sentimental machte. Richtig wie Weihnachten fühlte es sich dennoch nicht an – für tanzanische Verhältnisse war es zwar kalt, doch unter 15° waren es sicherlich nicht. Aber das sollte uns nicht stören, umso mehr erfreuten wir uns an den selbstgeschlachteten und zubereiteten Hühnern, die wir tags zuvor gekauft hatten. Die eigentlich für Weihnachten gedachten beiden Schweine, die sich Raphael und Basti gekauft hatten, waren leider noch nicht fett genug, um als Festmahl zu dienen – Glück für sie, Pech für uns.

Ansonsten geschah nicht viel, wir genossen es, ein paar Tage zu entspannen – es war schließlich Weihnachten. Lediglich am letzten Tag vor der Abreise rafften wir uns zu einem Besuch Iringas auf, wo wir einen Felsen erklammen – siehe Photos.

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Eine Nacht auf dem See

Letzte Woche war es endlich soweit: Nachdem wir in der Woche davor auf mehrere Dörfer fuhren, um dort die Präsentation unser Fischerlampe vorzubereiten, fuhren wir am Freitag nach Igombe, ein Fischercamp in der Nähe Mwanzas. Noch am selben Tag hatten wir endlich alle Teile zusammen, die noch fehlten und konnten die Lampe fertig bauen.

Josef und Kornelius basteln an der Lampe

Mit der frisch gebauten Lampe ging es mit Daladala und Fahrrädern ins Camp. Am Anfang war ich besorgt, wie wir die Lampe vom Busbahnhof in Igombe zum Fischercamp bekommen würden, da es keine Daladalas gab, die dorthin fuhren. Das einzige verfügbare Verkehrsmittel war eine Art Fahrradkurier, bei dem man sich einfach auf den (komfortabel gepolsterten) Sattel setzte und sich fahren ließ. Doch auch die Lampe stellte kein Problem dar; unser Fahrer band sie einfach auf seinen Sattel und so ging es schließlich ohne Probleme bis zum Camp.

unsere Lampe

Dort angekommen, stellten wir fest, dass wir viel zu früh da waren. Da wir die Lampe selbst testen wollten, waren wir bereits nachmittags angereist, der Test dauert jedoch nur 5 Minuten. Unsere „Zielgruppe“, die Fischer, kamen jedoch erst um 20 Uhr, sodass wir über zwei Stunden Zeit hatten. Das war jedoch auch ganz nett, da wir erst gemütlich Kaffee tranken und dann zum Essen (natürlich Ugali und selbstgefangener Fisch…) eingeladen wurden. Als die Fischer schließlich alle da waren, erklärten wir ihnen das Prinzip der Lampe und machten auch gleich den Helligkeitsvergleich zu den herkömmlichen Kerosinlampen. Das war für uns selbst sehr spannend, da wir die Lampe noch nie bei Dunkelheit gesehen hatten. Wie sich herausstellte, war sie sehr hell, sogar heller als die Kerosinlampen. Test 1 bestanden….

Spät abends um 10 ging es schließlich auf den See, wo wir die ganze Nacht verbringen sollten. Wir hatten bei der Vorbereitung natürlich nur an die Lampe und nicht an uns selbst gedacht, weswegen wir nicht gerade die geeigneteste Kleidung hatten, ich hatte nicht einmal einen Pulli dabei. Doch zum Glück lieh mir einer der Fischer eine Jacke, sodass auch ich für die Nacht gerüstet war.

So fuhren wir auf den See, deutlich weiter, als ich dachte. Da es dunkel war und wir irgendwann völlig von Fischerlampen umgeben waren, verlor ich total die Orientierung und hatte keine Ahnung mehr, in welche Richtung die Küste lag. So war ich doch froh, die Schwimmweste zu haben, die ich gezwungen wurde anzuziehen, da ich ein „Gast“ war. Die Fischer brauchten natürlich keine…

Und schon ging es los: Wir zündeten Lampe für Lampe an (wir hatten insgesamt 6 Kerosinlampen und unsere Solarlampe) und setzten sie aufs Wasser, als allerletztes war unsere Lampe dran… Wieder ein kurzer Moment der Spannung, würde die Lampe schwimmen? Bei der ganzen Testerei hatten wir nämlich tatsächlich nicht drangedacht, auch zu testen, ob die Lampe genug Auftrieb hat oder ob sie einfach untergehen würde. Wie kann man auch sowas vergessen?? Doch auch hier hatten wir Glück, die Lampe schwamm einwandfrei. Test 2 bestanden.

Als wir dann alle Lampen ausgesetzt hatten, wurde es plötzlich still um uns. Ich dachte mir, was ist jetzt los und als ich mich umschaute wurde mir klar: Die Fischer schliefen. Pause also. Wegen der ganzen Aufregung konnte und wollte ich jedoch nicht schlafen, auch wusste ich nicht, wie das auf einem Boot gehen soll, in dem man kaum stehen kann, weil der Boden so klitschig ist und in dem 10cm Wasser stehen. Die Fischer schliefen hinten beim Motor auf den Netzen, dort war jedoch kein Platz mehr für uns. Was aber auch nicht so schlimm war, schließlich wäre ich vermutlich nach 10 Minuten sowieso im Wasser gelandet, ich neige schließlich zu intensivem Nachtsport, wie mein verbrannter Schlafsack zu berichten weiß… So saß ich auf meinem Plätzchen und schaute mir die hunderten Lampen auf dem See an, dessen Lichtpunkte immer wieder wie auf magische Weise verschwanden, um dann kurz darauf aufzutauchen, als ob sie sich entschieden hätten „Nein, ich bleibe wach!“ Ähnlich ging es mir, ich nickte immer wieder ein um dann wieder aufzuschrecken „Nein, ich bleibe wach!“

Zwei Stunden später dann meine Erlösung: Wir fingen an, die Netze auszuwerfen und die Fische zu fangen. Vielleicht sollte ich kurz die Technik des Dagaa-Fischens erklären: Die Fische werden durch die auf dem See schwimmenden Lampen angezogen und sammeln sich unterhalb der Lampe. Nach ca. 2 Stunden wird ein großes Netz ausgeworfen, dass unter der Lampe durchgezogen und danach wieder herausgezogen wird. Und schon hat man tausende kleine Fische gefangen, die dann einfach ins Boot geschüttet werden. Eigentlich ein sehr einfaches Prinzip, trotzdem ist es sehr anstrengende Arbeit, da die Netze von Hand herausgezogen werden, und diese durch Wasser und Fisch sehr schwer sind.

So machten wir unsere Runde und fuhren von Lampe zu Lampe, das Boot füllte sich so langsam mit vielen vielen Fischen, die nicht aufhörten zu zappeln. Schließlich war auch unsere Lampe dran, und wiederum fragten wir uns, ob sich die Erwartungen erfüllen würden. Doch schon als wir näher kamen, wurde klar, die Lampe funktioniert, überall in der Nähe der Lampe sprangen kleine Fische aus dem Wasser, als ob sie sich freuen würden, nicht mehr von auslaufendem Kerosin genervt zu werden… Die Fischer waren total begeistert, sie meinten die Lampe wäre viel besser als ihre Lampen. Test 3: bestanden.

Und das war auch der weitere Rhythmus der Nacht: Lampen auswerfen, Pause, Netze auswerfen, Fische ins Boot laden. Das ganze machten wir dreimal, bis am Horizont schon die Sonne aufging. Dies war das Ende des Arbeitstages oder vielmehr der Arbeitsnacht. Neben mir zappelten gut 2000 Liter Fisch, als ob sie ihr Schicksal nicht akzeptieren wollten und versuchten zu fliehen. Mit dem Gedanken beschäftigte ich mich dann auf der Rückfahrt, bis ich mir am Ende sagte, dass das nur ein Reflex sei und die Fische gar nichts denken… Evolution live. Gebracht hats aber wenig.

Auf dem Rückweg dann noch ein weiteres Highlight: Ein toter Nilbarsch, auch Viktoriaseebarsch genannt. Im Gegensatz zu meinen kleinen Freunden war dieser wohl fast ein Meter lang und dementsprechend viel Wert, obwohl er schon tot war. Das war den Fischern natürlich egal, die ihn gleich einpackten und stolz präsentierten, als wir zurück im Camp waren.

War ich auf dem Hinweg noch vorsichtig gewesen und hatte meine Hose ausgezogen, um aufs Boot zu kommen, war mir das nun egal: Ich sprang einfach ins hüfthohe Wasser und stiefelte an den Strand zurück, schließlich war ich sowieso total durchnässt.

Wieviele Billharziose-Würmer die Gelegenheit wohl nutzten und sich in meinen Beinen ein neues zu Hause einrichteten?

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