Lake Tanganyika – M.V. Liemba

Im vergangenen Monat war ich im Urlaub mit mehreren sehr verschiedenen Etappen – und von diesen möchte ich in den nächsten Tagen erzählen!

Zunächst bekam ich Besuch aus Deutschland von Laura, einer alten Freundin von mir. Nachdem ich ein paar Tage lang Mwanza gezeigt hatte, wollten wir mit der M.V. Liemba, dem angeblich ältesten Passagierschiff der Welt, den Lake Tanganyika herunterfahren. Der Tanganyika liegt ganz im Westen Tanzanias, an der Grenze zum Kongo. Bei unserer Planung hatten wir nur ein Problem: Unsere ursprüngliche Idee war, mit der M.V. Liemba bis an die Südspitze zu fahren, dort zwei Tage zu bleiben und dann mit dem Schiff zurück. Doch wie sich herausstellte, sollte die M.V. Liemba noch am gleichen Tag zurückfahren, eine Rückfahrt mit ihr war also ausgeschlossen. Laut dem Reiseführer gab es aber auch keine anderen Möglichkeiten, wieder in den Norden zu kommen – doch wir dachten uns, was solls, wir werden schon einen Weg finden…

So machten wir uns schließlich mit dem Bus nach Kigoma auf, von wo die M.V. Liemba starten sollte. Leider ist die Strecke Mwanza-Kigoma sehr schlecht ausgebaut, nur ein sehr kleiner Teil ist geteert. Dann erwischten wir auch noch einen Bus, dessen Fensterscheiben locker waren und wackelten wie verrückt. So war ich nach der elfstündigen Fahrt auf einem Ohr komplett taub und alle dachten, ich würde kein Kiswahili können – dabei hörte ich sie einfach nichts.

So ging es also auf die M.V. Liemba, die noch während der deutschen Kolonialzeit nach Tanzania kam und damals „Graph von Götzen“ hieß. Die M.V. Liemba fährt alle zwei Wochen den gesamten See herunter und wieder herauf, sie startet in Kigoma und fährt bis Mpulungu in Zambia.

Das besondere an dem See ist, dass viele Dörfer entlang des Sees völlig von der Außenwelt abgeschnitten sind – ein Gebirgslauf am Rande des Sees verhindert den Bau von Straßen ins Hinterland. So ist die M.V. Liemba für diese Dörfer der einzige Kontakt nach außen. Dies merkt man auch sofort, wenn man das Schiff besteigt, überall werden Waren zwischengelagert: Ananas, Bananen, Matratzen, Klamotten, und was man sonst so zum Leben braucht.

Die zweite Besonderheit ist, dass es keine Häfen gibt. Stattdessen hält das Schiff in der Nähe des Ufers an (was sie insgesamt 19 Mal tut), bevor das Schiff von vielen kleinen und auch man größeren Booten umschart wird, die Passagiere ein- und aussteigen und Ladung ausgetauscht wird.

Das ganze ist ein richtiges Spektakel und besonders nachts hat es auch etwas unheimliches, wenn aus dem nichts auf einmal 20 kleine Boote auftauchen. Ganz besonders war unser erster Stopp: Ein mit Holz beladener Kahn war anscheinend überladen und fing plötzlich an zu sinken. Doch anstatt sich selbst zu retten, versuchte die Besatzung die Ladung vom Kahn zu bekommen, schließlich waren es die gesamten Einnahmen der letzten zwei Wochen. So saß ein Mann verzweifelt auf dem immer weiter sinkenden Kahn und bandt das Holz los, während sein Kollege im See herumschwamm und das losgebundene Holz wieder einsammelte.


Es sah sehr tragisch aus, wie der auf dem Kahn Verbliebene immer weiter hinabsank, bis er schließlich alles Holz freigebunden hatte. Doch das ganze nahm ein gutes Ende: Sie schafften es nicht nur, das Holz wieder zu sammeln, sondern konnten auch den Kahn mit einer sehr klugen Methode retten: Sie schaukelten ihn einfach hin und her, sodass das Wasser wieder aus dem Kahn schwappte. Als dieser dann nicht mehr drohte, komplett unterzugehen, schöpften sie das restliche Wasser heraus – so konnten sie am Ende sogar damit wieder Heim fahren.

Ein Spektakel anderer Art spielte sich auf der anderen Seite des Schiffes ab. Dort hatte ein großes Boot, gut halb so groß wie die M.V. Liemba selbst, angelegt und wurde voll geladen. Leider hatte einer der Matrosen wohl etwas zu viel Konyagi getrunken, weswegen er plötzlich ins Wasser viel – von der gut 5 Meter hohen Kante des Bootes. Da es auch noch dunkel war, musste er erstmal gesucht werden, doch irgendwie schafften sie es doch, ihn aus dem Wasser zu ziehen – nur dass er sie erneut herunterstürzen kann. Doch diesmal reagierte einer seiner Kollegen schnell genug und hielt ihn noch am Gürtel fest.

Solche und viele andere Geschichten passierten während der Fahrt der M.V. Liemba. Erstaunlich war, wieviele Leute sich auf dem Schiff befanden, hatte man einen Sitzplatz auf einem der Dagaa-Säcke, so konnte man sich glücklich schätzen. Andere verharrten 24 Stunden lang, ohne sich wirklich zu bewegen – für uns unvorstellbar. Da war ich doch froh über mein 1.-Klasse-Ticket, auch wenn mich diese Trennung irgendwie bedrückt hat. Die 1. Klasse war praktisch ausschließlich von Wazungu – also den Weißen – belegt, die mit ihren Kameras in Wert von tausenden Euros das Spektakel aus bester Position beobachten konnten, dennoch aber genügend Abstand hatten, um keiner Unannehmlichkeit ausgesetzt zu sein – mich hat das angeekelt. Als ich dann aber feststellte, das die Luxuskabine (4x Preis der 1. Klasse) von einem tanzanischen Ehepaar belegt war, war mein Gemüt wieder beruhigt – zumindest teilweise.

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Und so fuhren wir zwei Tage mit der M.V. Liemba, die sich während der Fahrt ganz schön veränderte. Die Berge von Ananas und Bananen wurden allmählich durch Säcke von Dagaa ersetzt, die in den Kongo und nach Zambia exportiert wurden. Die Menschenmenge wurde auch immer kleiner, bis am Ende der Fahrt praktisch niemand mehr auf dem Schiff war – jetzt hatten wir wirklich das Gefühl, am Ende der Welt zu sein. Und so erreichten wir zwei Tage nach Abfahrt das kleine Dorf Kasanga – von wo der zweite Teil unserer Reise startete…

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4 Antworten zu Lake Tanganyika – M.V. Liemba

  1. Miriam schreibt:

    Mambo!

    Ich war 08/09 weltwärts in Tanzania und fahr diesen Sommer wieder hin. Ich will dieses Jahr unbedingt auch mit dem Schiff übern Lake Tanganyika. Deswegen hab ich einfach mal danach gegoogelt um rauszufinden, wann das Schiff genau fährt. (War nämlich damals schon dort, aber da hieß es, es fährt erst in ner Woche, und so lang konnt ich dann leider nicht warten).
    Dabei bin ich dann auf deinen Blog gestoßen und hab gesehen, dass du sogar von der DTP bist. ich war selber mit AFS weg, hab aber am DTP Seminar teilgenommen und mit Anna, Johannes, Manyanza und Suzie im Mwenge Haus gewohnt, kenn die ganzen Leute also. 😉
    Jetzt wollt ich dich einfach fragen, ob du mir vllt sagen kannst, wann des Schiff genau fährt. Wie hast du des rausgefunden? Wär super, wenn du mir da helfen könntest!

    Asante sana und weiterhin viel Spaß in Tanzania!
    Miriam

    • Till Hofmann schreibt:

      Hallo Miriam,

      in unserem Forum habe ich relativ viel ber die Reise geschrieben und habe auch die Termine aufgeschrieben: http://dtp-2010.host-ed.net/viewtopic.php?f=9&t=36 Es hat sich aber anscheinend alles an Ostern um eine Woche nach hinten verschoben, das heit die Daten stimmen vermutlich nicht. Am besten du rufst dann den Manager selbst an, wenn du in Tansania bist! Seine Nummer steht auch im Forum. Wann fhrst du denn nach Tansania?

      Karibu sana Mwanza!

      Till

      • Miriam schreibt:

        Hallo!
        Asante für die Infos!! Sehr gut, dann werden wir da am Besten mal anrufen sobald wir in Dar ankommen. Ich flieg mit meinem Freund, dem Clemens (der war damals mit dem Aljoscha in Mafinga) vom 17. August bis zum 4. Oktober. Da seid ihr dann schon wieder weg, soweit ich weiß!
        Nochmal Danke! Wünsch dir noch ne tolle Zeit in Mwanza und alles Gute!!
        Liebe Grüße,
        Miriam

      • Till Hofmann schreibt:

        Ja da sind wir schon weg, wir fliegen am 11.8. zurck… trotzdem auf jeden Fall viel Spa dann!

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