Ein Tag voller Veränderung

Heute ist alles anders – angefangen hat es heute nacht: Als ich gestern abend ins Bett ging und im Bett noch etwas Musik hörte, sah ich es plötzlich blitzen. Am Anfang dachte ich, ich täusche mich, aber immer wieder und immer öfters blitzte es – ein Gewitter? Wenig später wurde es dann klar: Donner. In meinen Vorstellungen von Tanzania kamen niemals Gewitter vor und bisher hatte es hier auch nur zweimal jeweils 2 Minuten lang geregnet – ich dachte also, Gewitter gibt es hier nicht. Aber das bisschen Blitzen und Donnern kann man ja auch kein richtiges Gewitter nennen, dachte ich… Kurz überlegte ich noch, ob ich nicht besser meinen Laptop ausstecken sollte, den ich gerade auflud – man weiß ja nie bei einem Gewitter… Aber dann war ich doch zu faul und blieb liegen, wenig später schlief ich auch schon. Bis Mitternacht. Dann fing es plötzlich so stark anzuregnen, dass ich von dem Lärm aufwachte. Von wegen kleines Gewitterchen, hier gings richtig ab! Nach einem kurzen Moment der Verwirrung – ich konnte es immer noch nicht ganz glauben – schreckte ich hoch: Was ist mit dem Strom? Was ist mit meinem Laptop?? Nachdem ich mich aus dem Moskitonetz gekämpft hatte, ging ich zum ersten Lichtschalter, legte ihn um und – nichts. Kein Strom, war eigentlich nicht allzu überraschend. Aber immerhin tat mein Laptop nach wie vor seine Dienste…. Wieder beruhigt ging ich also wieder ins Bett, immer noch etwas verwundert über das heftige Gewitter.

Heute morgen dann eine weniger überraschende, dafür umso schönere Veränderung: Ich hatte ein Fahrrad! Nachdem wir uns vor zwei Tagen Fahrräder gekauft hatten, diese aber gestern nicht nutzen konnten (Der Sattel an Kornelius Fahrrad war locker) fuhr ich heute mit dem Fahrrad zur Arbeit. Was für ein schönes Gefühl!! Nach mehr als einem Monat mit 0 Sport endlich wieder Fahrrad fahren! Ich war glücklich…. Auch wenn ich immer noch meinem alten Rennrad (bzw. das meiner Mutter – Baujahr ’86, glaube ich) nachtrauere, das sie verschenkt hat. Gebracht hätte es mir hier natürlich sowieso herzlich wenig. Dennoch, die riesigen Reifen meines neuen Fahrrads, dazu nur halb aufgepumpt, haben die Freude schon ein wenig eingetrübt. Nichtsdestotrotz hat mir der Weg zur Arbeit richtig viel Spaß gemacht! Und das beste: Kornelius fuhr auch heute mit dem Daladala, weil sein Sattel immer noch nicht repariert ist, wir hatten also den direkten Vergleich. Und tatsächlich: Ich war schneller! Auch wenn nur 2 Minuten… Aber erster ist erster 😉

An der Arbeit die nächste Neuigkeit: Mr. Parpia, der Chef von Zara Solar (der Solarladen) und TASEA Mwanza (die Organisation) war zurück aus England! Nach einem vierwöchigen Seminar zu regenerativen Energien und einer Audienz mit Prinz Charles (ich konnte es erst gar nicht glauben) war er gestern abend aus London zurückgekehrt. Man merkte sofort die Veränderung: Als er nicht da war, war im Laden eine sehr entspannte Stimmung, niemand war wirklich motiviert viel zu tun, manchmal wurden Kunden ignoriert, weil grade keiner Lust hatte, aufzustehen… Jetzt das Gegenteil: Beim Ausladen des Trucks halfen alle mit und auch danach war reges Treiben im Laden – Mr. Parpia scheint ein strenger Chef zu sein. Allerdings trotzdem ein sehr netter Mensch, der uns sofort über unsere Sorgen und Nöte ausfragte und auch gleich das anbot, was wir am meisten vermissen – Arbeit. Der Plan ist nun, dass wir bis zum Ende des Monats wie bisher fortfahren, sprich morgens in den Laden gehen, uns dort mit den Leuten unterhalten, dann in unser Office gehen, dort Vokabeln lernen und schließlich nachmittags wieder zurück zum Laden gehen. Doch ab übernächster Woche heißt es dann Arbeiten. Was genau blieb freilich noch offen, doch er scheint einige Sachen im Angebot zu haben. Auf jeden Fall haben wir dann endlich was zu tun…

Während dieses Gespräches dann die letzte, eher traurige Neuigkeit: Mr. Mwandas (unser Chef) Vater ist vorige Woche gestorben. Er war schon vor einem Monat krank, weswegen Mr. Mwanda nicht mit uns nach Mwanza fuhr, sondern in Dar es Salaam blieb, und anscheinend ist er vorige Woche verstorben. Dies erklärt auch, warum Mr. Mwanda nur einmal kam und uns nie was zu tun gegeben hat. Er ist jetzt anscheinend in Iringa und wird nach der Beerdigung wieder nach Mwanza kommen. Dies also der Grund, warum wir nichts zum Arbeiten hatten – ein Grund, auf den ich gerne hätte verzichten können.

Im Moment sitze ich wieder in unserem Büro und draußen regnet es schon wieder wie verrückt. Sonst haben wir von hier einen sehr schönen Ausblick auf den See, doch im Moment ist von dem See nichts zu erkennen, so dick ist die Regenwand. Ich hoffe, dass ich auf dem Heimweg nicht von so einem Regen überrascht werde………

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