Wie kaufe ich einen Tisch?

Heute will ich von einem kleinen Ereignis berichten, dass mir schon am ersten Tag hier in Mwanza passiert ist. Da unser Apartment zu Beginn sehr spärlich ausgestattet war und unter anderem ein Tisch fehlte (siehe vorherigen Eintrag), entschlossen wir uns, noch am selben Tag einen Tisch kaufen zu gehen. Wir hatten das Glück, dass an diesem Tag (es war ein Sonntag) ein großer Markt war, den es nur einmal im Monat gibt. Deswegen sind Ezekiel, Kornelius und ich gleich aufgebrochen, um auf dem besagten Markt einen Tisch zu finden. Wir fanden auch recht schnell einen Tischhändler, der hatte allerdings nur kleine Sofatische, was aber nicht unserem Wunsch entsprach. Wir wollten vielmehr einen richtigen Esstisch. Das war jedoch nicht weiter schlimm, da direkt nebenan mehrere Schreiner (übrigens alle im Freien) gearbeitet haben. Also sind wir dorthin und haben auch gleich zwei Tische gefunden, die uns gefallen haben. Aufgabe erledigt? Nein, jetzt fing der ganze Spaß erst an: Wie in Tanzania üblich, wurde uns zunächst mit TSh 200,000 (ungefähr 100€) ein völlig überzogener Preis genannt, den es herunterzuhandeln galt. Wir hielten uns vornehm zurück und ließen das Ezekiel machen. Zwar will ich durchaus auch selbst die Erfahrung machen und auch letztendlich selber in der Lage sein, einen anständigen Preis herauszuhandeln, jedoch sollte man bei solchen Summen doch auf etwas Erfahrung zurückgreifen können. Das Problem war bloß, das Ezekiel auch einige andere Sachen zu klären hatte und deswegen immer wieder angerufen wurde. Wie hier üblich, wurde der Anruf nicht weggdrückt oder ignoriert, sondern er ist einfach weggegangen und hat telefoniert. Dabei spielte es keine Rolle, dass der Verkäufer gerade mitten im Satz war und es auch kein belangloser Small-Talk war. So standen Kornelius und ich plötzlich alleine mit den Schreinern da, und wussten nicht so recht, was wir jetzt tun sollten. Die schien das aber gar nicht weiter zu überraschen, sie warteten einfach, bis Ezekiel zurückkam und führten dann, als ob nichts gewesen wäre, as Gespräch weiter. Das ganze wiederholte sich einige Male, sodass wir letztendlich bestimmt 20 Minuten dort standen, bis klar war, dass ein Preis unter 150,000 nicht möglich war. Das schien Ezekiel jedoch immer noch zu viel, weswegen er Emanuel anrief. Da Ezekiel mit uns aus Dar es Salaam kam und noch nie in Mwanza war, kannte er auch nicht die üblichen Preise. Emanuel bestätigte jedoch, dass 150,000 doch sehr viel Geld für einen Tisch sei. Da aber auch er keinen besseren Preis herausschlagen konnte, rief er wiederum Mari an. Um sie zu treffen, fuhren wir in die Stadt wo wir uns nach kurzer Beratung entschlossen, dass Kornelius, Marie und ich nochmals zum Markt fahren sollten, während die anderen beiden ihren Tätigkeiten nachgingen. Marie wollte jedoch nicht, dass wir wieder mit zum Schreiner gehen, da sie befürchtete, dass es dann beim alten Preis bleiben würde. So brachten wir sie bis in die Nähe, wo sie uns dann stehenließ. Nach zehn Minuten kam sie dann auch ganz glücklich wieder und meinte, sie hätte einen Tisch für 100,000 gefunden, der dann auch noch einer der beiden Tische waren, die wir uns vorher ausgesucht hatten. So hatten wir es nach mehreren Stunden doch geschafft, einen Tisch für einen anständigen Preis zu kaufen!

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