Mwanza – Rock City

Seit 10 Tagen bin ich nun in Mwanza und inzwischen habe ich mich, wenn auch nicht eingelebt, so zumindest eingewöhnt. Eigentlich ist Mwanza eine sehr schöne Stadt und trägt den Spitznamen Rock City nicht ohne Grund. Überall sind Felsen, besonders die Hügel sehen aus, als ob es gestern Felsen gehagelt hätte. Wie die genau enstanden sind, weiß ich nicht. Ich habe zwar mehrmals Leute gefragt, aber immer nur Antworten wie “You know geography? It’s geography!” bekommen. Nur einmal bekam ich eine richtige Antwort, “It’s erosion”, allerdings glaube ich das nicht… Wie können durch Erosion denn riesige Felshaufen mitten in der Savanne entstehen, wenn drumherum nichts als Sand und Gras ist? Für mich sah das eher aus wie Gletscherabtragungen, aber das gibt es wohl auch eher bei uns in Deutschland als am Äquator. Kurz gesagt, ich habe keine Ahnung, wie es zu den Felsen kommt, wenn einer von euch eine Idee oder gar die richtige Antwort hat, schreibt einen Kommentar!

Ansonsten ist Mwanza deutlich kleiner (und angenehmer) als Dar es Salaam, es gibt ganz selten Staus, selbst zu den Stoßzeiten gibt es höchstens mal dichten Verkehr, man ist also schnell in der Stadt und auch wieder aus ihr heraus. Wir leben in Ilemela, das ist ein Stadtteil 20 Minuten weg vom Zentrum. Bei der Ankunft dort war ich erstmal schockiert: Man hatte uns bereits gesagt, dass wir in zwei alten Eisenbahncontainern wohnen werden, was ich auch nicht weiter schlimm finde (von innen merkt mans eigentlich gar nicht). Man hatte uns jedoch nicht gesagt, dass diese fast komplett leer sein werden. Bei der Vorbereitung hieß es auf die Frage, ob man denn Moskitonetze mitbringen solle, neinnein, eure Einsatzstellen sind mit allem ausgestattet. Dass auch hier Mwanza (wie bei ein paar anderen Sachen) eine Ausnahme darstellen sollte, wurde natürlich nicht erwähnt (vermutlich wusste das auch niemand). Unsere Betten hatten jedoch nichtmal Bettwäsche, von Moskitonetzen ganz zu schweigen. Genauso fehlten Teller, Töpfe, Pfannen, Besteck, lediglich ein paar Gläser und Tassen waren da. Im Bad fehlte der Duschvorhang, das Klo funktionierte nicht richtig, war außerdem undicht, doch das beste war: Wir hatten keinen Herd und nichtmal einen Tisch. So haben wir die ersten Tage damit verbracht, erstmal unsere Container auszustatten. Inzwischen haben wir jedoch (fast) alles und haben seit Freitag sogar einen Haushälter, der für uns kocht und wäscht. Am Anfang war das ein sehr merkwürdiges Gefühl, jemanden fürs Kochen und Waschen zu bezahlen, doch inzwischen habe ich mich daran gewöhnt und es hieß mehrfach, wir sollten das auf jeden Fall tun, da man komisch angeguckt wird, wenn man viel Geld hat (wovon bei uns Weißen immer ausgegangen wird) und alles selbst macht. Jetzt leben wir jedoch mit Strom und fließendem Wasser sogar sehr luxuriös!

Unser Büro wie auch der Solarladen, dessen Besitzer Mr. Parpia zugleich Chef von TASEA Mwanza ist, sind beide im Zentrum der Stadt, 10 Minuten Fußweg voneinander entfernt. Im Moment fahren wir jeden Morgen zum Solarladen, unterhalten uns dort (mehr oder weniger viel) mit Mona, die Frau von Mr. Parpia, bevor wir dann in unser Büro gehen, wo wir vor allem Swahili lernen. Nachmittags gehen wir dann wieder in den Solarladen, weil dort dann meistens weniger los ist, wodurch wir uns besser mit den Mitarbeitern unterhalten können. Ansonsten haben wir nichts zu tun, da weder Mr. Parpia noch unser Chef, Mr. Mwanda zur Zeit in Mwanza sind. Mr. Parpia ist zur Zeit auf Geschäftsreise in Manchester, Mr. Mwanda, der uns eigentlich herbringen sollte, ist ganz kurzfristig in Dar es Salaam geblieben, da sein Vater krank geworden ist. Lustigerweise wurde er eingesetzt, weil Mr. Parpia immer sehr beschäftigt ist und keine Zeit hat, doch auch er scheint sehr beschäftigt zu sein. Auf jeden Fall haben wir zuletzt in Dar es Salaam mit ihm gesprochen. Somit bleibt nur noch Mona, die aber keine Ahnung hat, was wir eigentlich tun sollen. Das ist aber vielleicht gar nicht so schlecht, so haben wir wenigstens Zeit, viel zu lernen, was uns später sicherlich viele Vorteile bringen wird.

Abgesehen davon, fällt es mir zur Zeit schwer, Kontakt zu finden. Da wir im Büro immer alleine sind und im Laden oft viel los ist, ist es schwierig, schnell Anschluss zu finden. Auch sonst bieten sich selten Gelegenheiten an, was sicherlich auch an den noch mangelnden Sprachfähigkeiten liegt. Ich hoffe jedoch, dass sich das bald ändern wird und dass ich mich bald richtig einleben und nicht nur eingewöhnen werde.

Alles Fotos gibts bei Facebook !

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4 Antworten zu Mwanza – Rock City

  1. Birte schreibt:

    Hey Till,
    ich bin gerade durch Zufall auf deine Seite gestoßen und wollte mal fragen wie du an die Stelle in Tansania gekommen bist? Und ist das ein FSJ was du da machst?
    LG

    • Till Hofmann schreibt:

      Hi Birte,

      das ganze läuft unter weltwärts und ist ein Projekt der DTP.
      Unser Projekt beschäftigt sich vor allem mit Solarlampen für Fischer, die die gängigen Kerosinlampen ersetzen sollen.
      Die DTP bietet ganz verschiedene Projekte an, die meisten haben direkt oder indirekt mit regenerativen Energien insbesondere Solarenergie zu tun.
      Auf der DTP-Website findest du mehr Infos zur DTP und auch zu meiner Einsatzstelle.

  2. Marvin Stiefel schreibt:

    Hey Till,
    ich hab bereits dem Kornelius auf seinen Blog geschrieben…
    Ich heiße Marvin Stiefel und werde, gemeinsam mit Ole, euer Nachfolger sein!

    Nach dem ich gestern von Tanja über meinen Einsatzort informiert wurde habe ich mich gestern udn heute im Internet umgeschaut und eure Blogs gelesen. Erstmal vielen Dank für die Einblicke, für mich ist dies total faszinierend!

    Obwohl ich mich nicht auf TAREA in Mwanza beworben hatte freue ich mich auf das Jahr und bin ziemlich begeistert von dem Solarlampenprojekt, habe dort dem Kornelius schon ein paar Fragen gestellt…

    Nun wollt ich versuchen das Mysterium der Felsformationen zu erklären:
    Dadurch, dass ich in meiner Freizeit an ähnlichen Felsblöcken in Frankreich und der Eifel Klettern gehe, dachte ich zunächst: „klare Sache, das ist Sandstein“

    Ist es aber NICHT! Auf mehreren Internetseiten habe ich gelsen das es sich um Granitblöcke handelt!
    Granite entstehen durch die Erstarrung von Gesteinsschmelzen (Magma) innerhalb der Erdkruste, meistens in einer Tiefe von mehr als 2 km unter der Erdoberfläche. Durch Bewegungen der Erdkruste gelangen diese dann in oberere Erdschcihten und erstarren. Nun werden über 10.000sende von Jahren die oberen Erdschichten abgetragen und lassen die Granitgesteine an die Oberfläche kommen. Durch Abtragungen durhc Wind und Wasser entstehen dann diese runden Formen (dies ist nämlich auch bei Sandstein so)

    Naja natürlich bin ich kein Geologe und das kann auch alles falsch sein, aber das wäre meine Erklärung. (siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Granit)

    Kannst du mir vielleicht ein wenig über die Unterschiede von Mwanza zu den anderen Einsatzstellen erzählen?
    Du hast nämlich in einem der Berichte erwähnt, das Mwanza eine Sonderstellung hat!

    Liebe Grüße
    Marvin

    • Till Hofmann schreibt:

      Hey Marvin,
      erstmal danke für deine Antwort! Jetzt weiß ich endlich, wie die entstehen… und Respekt, dass du eine Erklärung liefern konntest!

      Zu den Unterschieden zu anderen Einsatzstellen: Ich weiß leider gar nicht mehr, worauf ich mich da genau bezogen habe, aber im Prinzip unterscheiden sich alle Einsatzstellen voneinander, dadurch dass man in ganz verschiedenen Situationen lebt (Großstadt Dorf, Gastfamilie eigenes Haus, Büroarbeit Feldarbeit), aber ich kann natürlich gerne nochmal erzählen, wie das bei uns aussieht und wodurch Mwanza vielleicht doch besonders ist: Zunächst war für uns ein sehr großer Unterschied, dass wir keine Vorgänger hatten, was zu ziemlichem Chaos geführt hat. Als die Liste mit den Kontakten zu den Einsatzstellen ausgeteilt wurde, war die Zeile für Mwanza einfach komplett leer; als wir ankamen, war uns Chef auf Geschäftsreise und niemand wusste so wirklich, was wir eigentlich tun sollten, usw… Ich hab ja auch schon in meinem Blog davon berichtet. Das wird bei euch aber sicherlich anders sein, da ihr ja jetzt Vorgänger (uns) habt. Ansonsten unterscheidet sich die Einsatzstelle in Mwanza strukturell von anderen Einsatzstellen: Ihr arbeitet hier sehr selbständig und seid nicht wie anderswo ergänzend, sondern eher leitend. Das hat natürlich Vor- und Nachteile, aber das ist immer auch eigene Meinung und persönliche Einstellung. Ein anderer Unterschied ist, dass Mr. Parpia (unser Chef) kein Tanzanier ist und keine tanzanische Familie hat. Das ist zum einen schade, weil dann an der Arbeit ein bisschen der Einblick fehlt, andererseits interessant, weil man dadurch nochmal eine andere Seite kennen lernt; aber das werdet ihr selbst noch erfahren.

      Ich hoff, ich konnte dir einen kleinen Einblick gewähren, wenn du noch weitere Fragen hast, nur zu; kannst mir auch direkt eine email schreiben, wenn du willst…

      Bis dann
      Till

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