Dar es Salaam

Es ist 10:42 Uhr und ich liege bei angenehmen 28°C unterm Moskitonetz und habe mir vorgenommen nicht wie in den letzten Tagen einfach ins Bett zu fallen und sofort zu schlafen, sondern mal ein bisschen zu berichten. Am Freitag letzter Woche sind wir in Dar es Salaam angekommen und schnell wurden die Unterschiede besonders zur Zwischenstation Dubai klar: Statt riesigen künstlichen Wasserfällen mitten im Flughafen gab es nichtmal fließend Wasser im Bad, statt riesigen, durch Klimaanlagen geradezu unterkühlten Flughafenhallen gab es nur einen überfüllten und überhitzen Raum mit gerade mal zwei Beamten, die für Ausländer veranwortlich waren und statt 10-spurigen, leeren Autobahnen gab es nur vierspurige, dafür mit Autos völlig überfüllte Straßen. Ja, hier ist einiges anders, doch Dubai war natürlich extrem. Trotz schwülen 38°C abends um 11 habe ich während des gesamten Aufenthalts in Dubai meinen Pullover nicht ein einziges mal ausgezogen und fand auch die dicke, lange (Abi-)Hose nicht unangenehm. Dies liegt weniger an meiner ungewöhnlichen Hitzeresistenz (wer mich kennt weiß, dass es genau anders rum ist) sondern eher daran, dass ich vielleicht 5 Minuten in unklimatisierten Bereichen war. Ansonsten war alles so stark runtergekühlt, dass mir ohne Pulli vermutlich sogar kalt geworden wäre… Doch genug von Dubai, schließlich wollte ich ja von Dar es Salaam erzählen. Wir kamen also hier an und wurden gleich zur Universität gefahren, wo wir in Zimmern des Colleges für water engineering untergebracht sind. Ironischerweise hatten wir im water engineering College erst 2 Stunden lang fließendes Wasser, ansonsten dürfen wir uns aber an einem großen Wassertank bedienen. Hier, wo einem beigebracht wird, wie man Wasserleitungen am besten plant, legt und verwaltet, duschen sich also die Studenten (und wir natürlich auch) mit Eimern und kaltem Regenwasser. Gibt es eine bessere Motivation zu lernen, wie man Wassersysteme richtig plant? Ich frage mich bloß, ob dann beim College für Stromversorgung das Licht nicht funktioniert… Man gewöhnt sich jedoch sehr schnell an die Eimerdusche, sodass es für niemanden von uns mehr ein Problem darstellt, im Gegenteil, es ist sogar sehr erfrischend. Auch ansonsten ist es an der Uni sehr nett, die Studenten sind sehr an uns Weißen interessiert und sprechen uns immer wieder an, wodurch wir schnell Kontakte knüpfen konnten. Wir durften sogar schon an einem Art Gottesdienst teilhaben, der zwar christlich war, sonst aber wenig mit deutschen Gottesdiensten gemein hatte. Es wurde sehr viel gesungen und dazu stets in wilden Rhythmen geklatscht. Es gab auch keinen richtigen Pfarrer, der Gottesdienst wurde vielmehr von allen geführt, so durfte jeder sagen, was ihm gerade auf dem Herzen liegt. Irgendwann wurde dann natürlich auch aus der Bibel vorgelesen, was sehr interessant war. Ich wusste gar nicht, dass es die Bibel auch auf Swahili gibt. Wir haben natürlich kein Wort verstanden.

Dar es Salaam ist eine sehr schöne Stadt, auch wenn sie für meinen Geschmack etwas groß und überfüllt ist. Vom Hafen (der im Zentrum der Stadt liegt) haben wir während der Hauptverkehrszeit zwei Stunden gebraucht, da die Straßen alle vollkommen verstopft sind. Obwohl die offizielle Hauptstadt nicht Dar es Salaam sondern Dodoma ist, ist Dar es Salaam Dreh- und Angelpunkt des Landes, selbst große Teile der Regierung befinden sich immer noch in Dar. Doch hat die Stadt durchaus auch ihre Reize, so gibt es beispielsweise in Mwenge einen sehr schönen Markt, auf dem es viel zu sehen und zu kaufen gibt. Besonders schön war der Strand auf dem wir waren, er war total leer und gleichzeitig sehr idyllisch. Bilder folgen…

Ich freue mich jedoch, dass es für Kornelius und mich bald nach Mwanza geht, denn auf Dauer wäre Dar es Salaam glaube ich nichts für mich. Schon dass wir andauernd angesprochen wurden, weil wir Weiße sind und damit als reich gelten, ist auf Dauer ganz schön nervig. Wie wird wohl Mwanza sein? Ich weiß nicht einmal genau, wie groß die Stadt ist, sie soll aber wesentlich kleiner als Dar es Salaam sein. Naja ich bin gespannt und werde berichten, sobald ich dort angekommen bin!

geschrieben am: 26.08.10

Anmerkung:

Da ich nicht immer Internet habe, aber auf meinem Laptop die Blog-Einträge vorschreibe, kann es sein, dass sie (wie dieser) etwas verspätet erscheinen. Ich schreibe jedoch immer das Datum dazu, wann ich den Eintrag wirklich geschrieben habe.

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Eine Antwort zu Dar es Salaam

  1. Julian schreibt:

    hey till,

    bin etwas überrascht über facebook festzustellen, dass du plötzlich weit weg von kleintübingen städte und unis erkundest xD.
    schreib nur weiter die blogs bitte, ich werd sie lesen sobald sie on sind 🙂
    viel glück da unten!

    juli

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